Gladbeck

Gladbeck, 16. August 1988: Aus einem fehlgeschlagenen Banküberfall entwickelt sich eine dreitägige Geiselnahme. Während die Täter dabei zu Medienstars avancieren, verliert der deutsche Journalismus seine Unschuld – und drei Menschen am Ende ihr Leben.

Der Zweiteiler „Gladbeck“ schildert ein Verbrechen, das sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt hat, und geht der Frage nach, welche Mechanismen wirken müssen, damit Menschen das Empfinden für moralische Integrität, Recht und Gesetz verlieren. Amazon

Der Film stellt den Verlauf der Geiselnahme von Gladbeck exakt nach, in einer darauffolgenden Doku stellte ich fest, dass ganze Sätze der Opfer, aber auch der Verbrecher und ihre Gesten übernommen worden waren. Auch die Maske hat hervorragende Arbeit geleistet und es geschafft, dass die Schauspieler den Betroffenen damals sehr ähnlich sehen.

Abwechselnd wird die Geiselnahme aus Sicht der Täter und der Polizei erzählt, woraus der Film eine unglaubliche Spannung bezieht. Obwohl mit 176 Minuten nicht gerade kurz, war in dem Zweiteiler keine Minute überflüssig oder langweilig. Zumal ich die Geiselnahme mit 13 Jahren nicht mitbekommen habe, und damit auch die ganzen Wendungen nicht kannte.

Die Abfolge von Polizeiversagen, Fehleinschätzungen und teilweise auch Verweigerungen von Zugriffen aufgrund fehlender Genehmigungen ist genauso unglaublich, wie die Gemeinmachung der Presse mit den Entführern, welche diesen teilweise halfen und die Opfer interviewten, während diesen eine Pistole an den Kopf gehalten wurde, ist einfach Wahnsinn. Man kann nur hoffen, dass sich eine solche Skrupellosigkeit nie wieder geschieht.

Fazit

Eine klare Sehempfehlung.

Darsteller: Sascha Alexander Gersak, Alexander Scheer, Marie Rosa Tietjen, Johannes Allmayer, Amelie Kiefer
Regisseur(e): Kilian Riedhof
Künstler: Holger Karsten Schmidt, Sabine Bischof, Prof. Regina Ziegler, Armin Franzen, Carolin Haasis, Albrecht Konrad, Matthias Adler, Jörg Kidrowski, Sascha Schwingel, Annette Strelow
Format: Dolby, PAL, Widescreen
Sprache: German (Dolby Digital 5.1)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 2.39:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Polyband/WVG
Erscheinungstermin: 9. März 2018
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 176 Minuten

Gladbeck Copyright Polyband/WVG

10 Gedanken zu “Gladbeck

  1. Hier können die deutschen TV-Machern auch heute noch immer punkten: Fernsehspiele, die auf wahren Begebenheiten beruhen. Spannend und detailreich.,Gut recheriert und gut gespielt. Auch wenn ich in den letzten Jahren immer weniger „normales“ Fernsehen schaue, ziehen mich solche Produktionen immer wieder in ihren Bann. Leider gibt es davon von Jahr zu Jahr weniger oder die Sachen werden auf Sendeplätzen versteckt, wo sie dann quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgestrahlt werden.

    • Ich war wirklich erstaunt, wie gut deutsches Fernsehen sein kann. Das letzte Mal, dass ich eine solche Qualität gesehen habe, war *Im Angesicht des Verbrechens*, oder so ähnlich.

      Die Frage ist: Wenn sie so gut sein können, warum sind sie es nicht konstant?

  2. Ich denke, das hat zum einen mit der blossen Anzahl an Fernsehspielen zu tun, die insbesondere die ARD, produziert. 52 mal im Jahr – wenn es nicht sogar noch mehr sind – Qualität auf hohem Niveau zu bieten, dürfte schwierig sein.
    Außerdem müssen auch die öffentlich-rechtlosen Sender ihre Zielgruppen zufriedenstellen. Und da kommen halt seichte Komödien und Herz-Schmerz-Geschichten i.d.R. besser an und bringen mehr Quote. Das sieht man immer gut an der Tatort-Reihe: Sobald einer der Filme vom üblichen Muster (Mord, Ermittlung, Mörder wird gefasst) abweicht, laufen beim produzierenden Sender die Telefone heiss, weil sich die Zuschauer beschweren. Der durchschnittliche TV-Zuschauer (und das sind eben nicht studierende spät-Zwanziger, die das Internet nutzen…) in Deutschland ist eben mal schnell überfordert, wenn die gewohnten Sendestrukturen verlassen werden….

      • Ja, das mit den Klassikern ist schon sehr schade. Das ist wirklich wenig geworden. Und wenn, dann laufen sie wieder zu unmöglichen Zeiten und man bekommt nichts davon mit.

      • Es hat Gladbeck auch sehr gut getan, dass man auf unbekannte Schauspieler gesetzt hat. Die können schließlich auch etwas und in dem Fall ging es wohl nicht anders, da man wirklich 1:1 – Kopien der realen Personen erzeigen wollte.

        Stars zerstören Filme oft durch ihre pure Anwesenheit, weil man sich nur noch auf sie konzentiert und die anderen Figuren außer acht lässt.

      • Ja, auch da konnte Gladbeck überzeugen. Die Charaktere war wirklich sehr gut getroffen. Ich habe per se nichts gegen „Stars“ in Filmen, sofern sie sich in die Handlung integrieren und dem Charakter, den sie verkörpern, auch unterordnen und die Rolle auch nicht nur zum Ausleben ihres Egos nutzen

      • Mir ist während des Sehens aufgefallen, wie gut ein Film ohne Star funktioniert und habe mir überlegt, dass ein solcher sogar störend wäre.

        Das Problem mit Stars im Allgemeinen ist, dass sie einfach zu viel Aufmerksamkeit von anderen Figuren, aber auch der Handlung abziehen.

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