Der Sohn des Waffenmachers

Das preisgekrönte Dokudrama „Der Sohn des Waffenmachers“ gehört zu den außergewöhnlichen Filmen, die sich mit dem Leben in der muslimischen Welt nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 beschäftigen. Regisseur Benjamin Gilmour, der Pakistan zunächst durch seinen Beruf als Rettungssanitäter kennengelernt hatte, drehte ausschließlich mit Laiendarstellern an Originalschauplätzen im Grenzgebiet von Pakistan und Afghanistan. Mit der Produktion ging man nicht nur ein künstlerisches Risiko ein: Die Region, eine Hochburg der Paschtunen, ist für Ausländer sehr gefährlich. Und das Provinznest Darra Adam Khel lebt tatsächlich von der Waffenfertigung. In der fiktiven Geschichte des kleinen Niaz lässt Gilmour fortschrittliche Positionen auf konservatives Gedankengut treffen, ohne dabei den fundamentalistischen Vater des wissbegierigen Jungen zu verteufeln. Daneben gelingt dem Filmemacher ein faszinierendes, semidokumentarisches Porträt des von Stammesbräuchen und Traditionen geprägten Lebens. „Der Sohn des Waffenmachers“ verleugnet nicht das tiefe Misstrauen, das viele Menschen dieser Region gegen den Westen hegen. Der Film ermöglicht es aber, ihr Leben und ihre Traditionen mit anderen Augen zu sehen. Sendungsseite

Der Film hat mich sehr beeindruckt. Erzählt wird die Geschichte eines sensiblen Jungen, welchen der Vater, ein ehemaliger Mujahideen, gegen seinen Willen und entgegen seinen Neigungen dazu zwingen möchte, ebenfalls Waffenmacher zu werden. Der Junge möchte aber lieber zur Schule gehen und Wissen erwerben. Ein grenzüberschreitendes Problem, auch ich habe schon im Internet Deutsche getroffen, welche sich von ihren Eltern lossagen mussten, um studieren zu können. Verschärft wird das Problem des kleinen Niaz dadurch, dass es in Pakistan wohl keine Schulpflicht gibt, dafür aber eine ausgeprägte Waffenkultur.

Und zu wird im zarten Alter von 11 Jahren von ihm erwartet, in der Waffenherstellung des Vaters mitzuarbeiten, welcher durch seine Kriegserlebnisse emotional verhärtet ist. Nur in seinem Onkel findet Niaz Halt und Hilfe.

Aus Sicherheitsgründen konnten recht wenige Straßenszenen gedreht werden, die wenigen lassen aber bereits auf den sehr geringen Lebensstandard der überwiegenden Bevölkerung schließen. Auch die Episode beim Zahnarzt, wenn der Dentist mit Zigarette im Mund die Patienten behandelt, dürfte Mitarbeitern eines deutschen Gesundheitsamtes Kopfschmerzen bereiten.
Dennoch werden die Pakistanis in dem Film nie ob ihrer vermeidlichen Rückständigkeit vorgeführt, auch den Vater kann man ansatzweise durchaus verstehen.

Die Leistungen der Schauspieler sind sehr gut und brauchen sich keineswegs hinter denen professioneller Darsteller verstecken.

Fazit

Eine klare Sehempfehlung.

Anmerkung

Leider ist dieser wirklich tolle Film auf Deutsch weder auszuleihen, zu kaufen noch zu streamen. Ich habe die deutsche Version als TV-Aufnahme gesehen. Auf Youtube auf Englisch und DailyMotion ist er auf Pashto / Englisch unter dem Titel *Son of a lion* zu sehen, die Originalsprache ist Pashto.

Rolle Darsteller
Niaz Afridi Niaz Khan Shinwari
Sher Alam Afridi Sher Alam Miskeen Ustad
Baktiyar Afridi Baktiyar Ahmed Afridi
Anousha Baktiyar Anousha Vasif Shinwari
Großmutter Fazal Bibi
Pite Afridi Khaista Mir
Hayat Afridi Hayat Khan Shinwari
Agha Jaan Agha Jaan
Agha Jaans Sohn Noor Ullah
Großvater Sarwar Khan Shinwari
Erster Zahnarzt Khalid Khan
Zweiter Zahnarzt Johnny Jahanzeb
Schulleiter Vasif Shinwari
Haschischverkäufer Sherbet Khan
Jamal Shan Jamal Shan
Verrückter Sher Khan Kalamu Dacoit
Stab
Funktionsbereich
Name des Stabmitglieds
Musik: Amanda Brown
Kamera: Haroon John
Benjamin Gilmour
Buch: Benjamin Gilmour

Regie: Benjamin Gilmour
Bildergebnis für der sohn des waffenmachers Copyright Mara Pictures

 

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