The Hollow Crown – Staffel 1 „Lancaster Tetralogie“

Spoiler

History pur! Und wenn dann auch noch Herr Shakespeare seine Finger im Spiel hatte, ist die große Tragödie (manchmal auch Komödie) nicht fern. Und so ist es auch in der Miniserie „The Hollow Crown“, deren vier Episoden auf der Grundlage der legendären „Lancaster Tetralogie“, der Königsdramen, von William Shakespeare entstanden sind. Steigen Sie in die Zeitmaschine und erleben hautnah den Aufstieg und Fall der drei englischen Könige Richard II., Henry IV. und Henry V. in den Jahren von 1398 bis 1422…

Richard II

Im ersten Teil der „Lancaster-Tetralogie“ entwirft Shakespeare die Charakterstudie des rechtmäßigen, aber „unfähigen“ Königs Richard II., der erst im Untergang seine persönlichen Grenzen und die der politischen Macht erkennen kann. Der Dichter schildert den Aufstieg des weltmännischen Usurpators Bolingbroke, der sich mit Machtwillen und politischem Kalkül vom Entrechteten zum Herrscher aufschwingt und eine neue Welle politischer Gewalt auslöst. Eine niederschmetternde Analyse der Entwicklung von Macht: Jeder neue König ertrinkt erneut im eigenen oder fremden Blut. Wikipedia

So wirklich logisch ist der Anfang des Stücks nicht: Jemand beschuldigt einen anderen, ein Verräter zu sein und wird dafür, dass er den König retten wollte, 10 Jahre lang verbannt, der andere lebenslang. Um Aufklärung ist der Herrscher nicht bemüht. Auch die wirkliche Geschichte, ist nicht viel logischer (Achtung Spoiler des weiteren Geschehens):

Im Sommer 1397 sah Richard die Zeit gekommen, sich für die Demütigungen durch das „Gnadenlose Parlament“ zu rächen. Es begann eine Phase, die in der englischen Geschichtsschreibung allgemein als „Tyrannei Richards II.“ bezeichnet wird. Thomas Mowbray, einer der Appellants von 1387, informierte den König über eine Verschwörung gegen ihn, die insbesondere von Thomas Woodstock angeführt werde. Woodstock wurde festgenommen und nach Calais gebracht. Dort stand er unter der Aufsicht seines Anklägers Mowbray und starb unter ungeklärten Umständen. Mowbray stieg zum Herzog von Norfolk auf. Eine Prozesswelle gegen die meisten Oppositionsführer des „Gnadenlosen Parlaments“ folgte, die aber meist mit Geldstrafen oder Verbannung, seltener mit Todesurteilen endete. Arundel war einer derjenigen, die als Verräter verurteilt und geköpft wurden; Warwick wurde verbannt. Schließlich waren von den Appellants nur noch Henry Bolingbroke, der Sohn Johns of Gaunt und spätere König Heinrich IV., kurz nach den Ereignissen von 1388 um Ausgleich mit seinem königlichen Vetter bemüht, und Thomas Mowbray übrig geblieben. Während die Prozesswelle rollte, klagten sich die beiden plötzlich gegenseitig an. Mowbray warf Henry Hochverrat vor, Henry bezeichnete Mowbray als Mörder Woodstocks. Am Ende wurde gegen Mowbray lebenslange Verbannung angeordnet, Henry 1398 für die Dauer von zehn Jahren aus England verbannt. Als kurz darauf John of Gaunt starb, verlängerte der König diese Verbannung auf Lebenszeit, um sich das reiche Erbe Henrys anzueignen. Als Richard jedoch zu einem zweiten Irlandfeldzug aufbrach, landete Bolingbroke in Yorkshire und erhielt sofort einen gewaltigen Zulauf aus nahezu dem gesamten englischen Adel. Der König kehrte umgehend aus Irland zurück, doch bereits in Wales löste sich sein Heer auf und lief zum Großteil zu Henry über. Wikipedia

Die Besetzung ist sehr gut, unter anderen Patrick Steward, Sean Connery und David Suchet. Ein wenig merkwürdig waren die Schwarzen in dem Film, auch bei der Gefährtin der Königin meinte ich, einen asiatischen Einschlag zu sehen. Das passt einfach nicht ins England des 14. Jahrhunderts. Wenig glaubwürdig war der König, sehr jesushaft, einige Szenen, in denen er auf dem Pferd in die Stadt ritt, wirkten wie der Einzug zu Palmsonntag. Vielleicht lag es an der deutschen Synchronisation, aber bei der Übergabe der Krone wurde er zudem recht tuntig gespielt. Während er in Wirklichkeit wohl elendig verhungert ist, erinnert die Hinrichtung eher an den Tod des Heiligen Sebastian.

Wobei dies alles Mäkeln auf sehr hohen Niveau ist, denn im Grunde ist die Inszenierung exzellent.

Interessant ist auch die Figur eines entfernten Verwandten, welcher auch nach Richards Verhaftung treu an seiner Seite steht, was in fast das Leben kosten wird… . Jenseits der Texte gelingt es hervorragend, seine Bereitschaft zu zeigen, den neuen König zu hintergehen und wirklich böse kann man ihm nicht sein.

Bleibt Henry Bolingbroke, der Konkurrent von Richard II., aus dem man nicht ganz schlau wird. Kehrt er wirklich nur zu zurück, um sein Erbe zu verteidigen oder plant er von Anfang an den Sturz des Königs? Ich habe mich für erste Variante entschieden, da er sagt, er würde die Burg nicht weiter belagern, wenn er sein Erbe zurückbekäme. Auch merkt man ihm an, wie unglücklich er mit der Krone ist.

Heinrich IV., Teil 1

Der erste Teil des Historiendramas um König Heinrich IV. spielt im Jahre 1402/03. Der titelgebende Handlungsstrang beschreibt die von Henry Percy (1364/1366–1403) gegen den König angeführte Rebellion. In die Haupthandlung verwoben sind die komischen Erlebnisse des verarmten Ritters Sir John Falstaff. Verknüpft werden die beiden Handlungsebenen durch die Figur des jugendlichen Prinzen Harry. Wikipedia

Zuallererst: Es gab bei der Figur Henry Bolingbroke (Heinrich IV.) einen Schauspielerwechsel. Zwar ist Jeremy Irons ein sehr guter Schauspieler, mir wäre es auch Gründen der Kontinuität allerdings lieber gewesen, man hätte gleich im ersten Teil Irons genommen oder man wäre bei Rory Kinnear geblieben. Andererseits ist Henry IV. nur eine Nebenfigur, die wahre Hauptfigur ist Prinz Hal, der als Henry V. einen der unglaublichsten militärischen Siege überhaupt erringen sollte. Gespielt wird er von Tom Hiddelton, welcher mir in The Night Manager schon sehr positiv aufgefallen ist.

Vorerst vergnügt der Thronfolger sich jedoch mit Wein, Weib und Gesang, wobei vor allem der verarmte Ritter Falstaff eine wichtige Rolle als Gefährt einnimmt. Was umso erstaunlicher ist, entlarvt der Prinz Falstaff recht schnell als einen notorischen Lügner. Ein wenig unglaubwürdig ist daher, dass der Adelige dem Ritter glaubt, einen Mann getötet zu haben, welcher er selbst getötet haben zu glaubt.

Hängen bleiben wird wohl der Spruch *Ihr seid mein Sohn, so eurer Mutter Wort, und teils meine Meinung*, gesprochen von Falstaff, als er den König nachäfft. Wobei es gesprochen lustiger klingt als geschrieben.

Insgesamt ist die Handlung nicht so spannend wie in Richard II.: Der König beleidigt die Rebellen, diese ziehen seine Legitimation in Zweifel und ziehen in den Krieg, es kommt zur Schlacht. Wäre nicht das ausufernde Partyleben des Prinzen und dessen daraus resultierender Streit mit dem König – die Handlung wäre sehr dünn.

Heinrich IV., Teil 2

Der zweite Teil des Dramas beschreibt die Ereignisse von 1402 bis 1413. König Heinrich IV., der die Macht selbst gewaltsam ergriffen hat, bemüht sich nach der Niederschlagung des Aufstandes um die Legitimation seiner Herrschaft. Währenddessen hält sich Kronprinz Harry vom Hofe fern und gibt sich weiterhin den Eskapaden mit seinen Freunden um Sir John Falstaff hin. Als der König stirbt, besteigt Harry als neuer König Heinrich V. den Thron. Im Interesse der Staatsräson verstößt er seine Jugendfreunde. Wikipedia

Wohl der Tiefpunkt der Serie, hoffe ich zumindest.

Hal erkennt, wie schlecht Flagstaff wirklich über ihn denkt und zieht sich zurück. Dieser wiederum ist einfach nur noch eine tragische Figur ohne Witz, ein Heiratsschwindler, jemand der Truppen aushebt, um sich für die Verweigerung bezahlen zu lassen, und trotzdem in seinen Schulden erstickt.

Ihm gegenübergestellt ist der Lord Chief Justice, welcher so unbestechlich ist, dass er nicht zögert, Prinz Hal kurzfristig ins Gefängnis werfen zu lassen.

Immerhin einer tut etwas Sinnvolles, nämlich einer der jüngeren Prinzen, welcher durch eine List die Reste der Rebellion gegen seinen Vater beseitigt. Die Rebellen waren zum Teil Mitstreiter Henrys IV. aus Richard II., Mowbray und Hastings, sowie der Erzbischof. Die Krone ist nun ein für alle Mal gesichert.

Als der König im Sterben liegt, eilt Hal an sein Totenbett. Dort angekommen, entdeckt er den schlafenden Vater, neben ihm die Krone. Er entwendet diese, setzt sie sich auf und setzt auf den Thron. So findet ihn der Monarch vor, welcher Hal vorwirft, er könne wohl nicht schnell genug sterben. Es kommt zur Aussprache zwischen den beiden, bevor der König stirbt.

Falstaff sprengt die Krönung von Hal / Henry V. und wird verbannt, während die Unbestechlichkeit des Lord Chief Justice Hal so beindruckt, dass er ihn in seine Dienste stellt.

Das liest sich nach einer Menge Geschichte, ist aber unglaublich zäh erzählt. Im Grunde hätte man die Akte um Flagstaff auch streichen und mit der List des Prinzen beginnen können. Dem Werk hätte es durchaus gut getan.

Heinrich V.


Heinrich V. erweist sich wider Erwarten als erfolgreicher Machtpolitiker und Kriegsherr. Aufgrund der Lex Salica erhebt er Anspruch auf den Thron von Frankreich. Der Dauphin von Frankreich weist ihn provokant zurück und brüskiert den jungen König öffentlich. Es kommt zum Krieg. Heinrich fällt mit dem englischen Heer in Frankreich ein, erobert die Hafenstadt Harfleur und stellt sich dem französischen Heer. Vor der entscheidenden Schlacht von Azincourt ermutigt er seine abgekämpften, zahlenmäßig unterlegenen Soldaten mit der St. Crispins-Tag-Rede. Trotz ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit werden die Franzosen vernichtend geschlagen. Im fünften Akt versöhnt der Herzog von Burgund die verfeindeten Könige Karl und Heinrich und mahnt vor den Folgen des grausamen Krieges. Heinrich heiratet die französische Prinzessin Katherina, weswegen Heinrich nach Karls Tod auch den französischen Thron innehaben wird.
Wikipedia

Henry erhebt Anspruch auf den französischen Thron und beginnt einen, für die damalige Zeit recht humanen, Feldzug. So ordnet er an, dass die französischen Bauern nicht ausgeplündert werden dürfen. Vor der entscheidenen Schlacht von Azincourt hält er die St. Crispins-Tag-Rede, welche bis heute berühmt ist.

Das englische Heer ist 1:5 unterlegen, gewinnt jedoch. Henry zwingt der französischen Krone seine Bedienungen auf, welche u.a. eine Heirat mit der französischen Prinzessin vorsehen. Damit ist er nach dem Tod des französischen Königs selbst Herrscher über Frankreich.

Er stirbt jedoch als sein Sohn erst ein Baby ist, Frankreich ist verloren, für neuen Konflikstoff gesorgt. Der wird in der zweiten Staffel von The Hollow Crown The War of Roses behandelt, welche am 17.7.17 erscheint.

Auffällig ist, dass Henry nur einmal von seiner Linie, ein guter König sein zu wollen abweicht, und die Kriegsgefangenen ermorden lässt. Was in der Folge – mal wieder – gar nicht passt ist, dass der Herzog von York mit einem Schwarzen besetzt worden ist. Auch nicht gerade toll ist, dass über weite Teile Französisch gesprochen wird, ohne Untertitel bereitzustellen.

Fazit

Man muss sich auf die Filme einlassen können, denn gesprochen wird Shakespeare – Englisch (und in der Übersetzung Deztsch). Man braucht eine gewisse Zeit, um sich dort reinzuhören. Gerade Richard II. glänzte mit Fehlbesetzungen, oft nicht einmal aus schauspielerischer Sicht als mehr aus der ethnischen Herkunft der Schauspieler. Oft wirken die Kostüme zu sauber, Hals Lederjacke wirkte auf mich zu modern geschnitten.

Dennoch haben es die Fernsehmacher geschafft darzustellen, dass Shakespeare wohl der erste war, welcher in einem Serienkonzept dachte und auch recht geschickt mit Cliffhangern umzugehen verstand. Einfach ein Theaterstück abgefilmt wurde nicht, sondern man konnte wirklich glauben, dass die Stücke eigens für einen Film geschrieben worden sind. Großartig!

Darsteller: Jeremy Irons, Ben Whishaw, Sir Patrick Stewart, John Hurt, Julie Walters
Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 4
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: KSM GmbH
Erscheinungstermin: 5. Dezember 2016
Produktionsjahr: 2016
Spieldauer: 505 MinutenThe Hollow Crown - Staffel 1 [4 DVDs]

 

 

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