Hexenkessel

Das ist der Hexenkessel von New York: Little Italy in den 60er Jahren. Hier versucht der Kleinganove Charlie irgendwie im Mafialltag über die Runden zu kommen. Nicht ganz einfach, wenn man katholischen Glaubens ist, eine Frau liebt, die unter epileptischen Anfällen leidet, und sich außerdem um einen Freund kümmert, der sich überall Geld leiht. Und Johnny Boy steckt richtig in der Klemme, als er einem Mafiaboss Geld zurückzahlen soll, aber viel zu spät zu dem vereinbarten Treffen erscheint. Nun beginnt eine mörderische Flucht durch die Straßen von New York, die nur blutig enden kann.

Nachdem Martin Scorsese 1972 nach Hollywood gegangen war, um für Roger Corman, den König des amerikanischen B-Films, Boxcar Bertha – Die Faust des Rebellen zu drehen, hat er seinen Film dem eigensinnigen Filmemacher John Cassavetes gezeigt. Die Legende des Independent-Kinos hielt sich mit ihrer Meinung nicht zurück und gab dem jungen Regisseur allerdings auch einen sehr ernst gemeinten Rat. „Das ist Mist“, sagte Cassavetes ihm damals, „nun geh hin und mach etwas, das direkt aus deinem Herzen kommt.“ Scorsese hat sich diesen Rat zu Herzen genommen und seine ganze Energie auf Hexenkessel konzentriert, einen ungeheuer fesselnden zeitgenössischen Film über Kleingangster in New Yorks Little Italy, den die berühmte amerikanische Filmkritikerin Pauline Kael später „ein wahres Original und einen Triumph persönlichen Filmemachens“ nannte.

Mit Robert De Niro und Harvey Keitel in Rollen, die der Welt ihr Talent verkündeten, hat Hexenkessel ein erstes Zeichen gesetzt und angedeutet, dass Scorsese einmal zu den größten amerikanischen Filmemachern zählen wird. Der junge Regisseur hat hier Themen und Charaktertypen eingeführt, zu denen er in Taxi Driver, Goodfellas, Casino und anderen Filmen zurückgekehrt ist. Die sehr lose strukturierte Geschichte ist direkt aus Scorseses Erfahrungen und Beobachtungen erwachsen, die er in den italienischen Vierteln New Yorks gemacht hat. Der Film scheint regelrecht zu brodeln. Seine raue Lebendigkeit zeugt davon, dass Scorsese hier zu seiner schöpferischen Form gefunden hat.

Der Film ist im Zuschauergeschmack ziemlich umstritten, gerade mal drei Sterne bei Amazon, entweder fünf Sterne oder einen, dazwischen gibt es kaum etwas. Ich gehöre zu denen, die den Film mochten und gleich die DVD bestellt haben.

Man kann den Film auf verschiedene Arten sehen, als ein einziges großes Musikvideo, der Soundtrack ist ziemlich beeindruckend und genauso prominent wie die Besetzung. Man kann ihn auch als einen Film über einen Schuldeneintreiber (Charlie / Keitel) sehen, der sein Geschäft in der Mafia nicht mit seinem katholischen Glauben vereinbaren kann. Dazu kommt ein *Freund* (Johnny / DeNiro) der überall Schulden hat, wenn er mal ein wenig Geld hat, dieses verprasst, obwohl selbst die Mafiabosse ihr Geld von ihm zurück haben wollen. Und dann ist da noch die Geliebte Theresa, welche an Epilepsie leidet und deswegen innerhalb des Clans nicht angenommen wird. Insgesamt also das Portrait eines sehr zerrissenen Mannes, welcher um das nackte Überleben kämpft.

Fazit

Ein atmosphärisch dichter New York Film, auf den man sich einlassen können muss.

Darsteller: Robert De Niro, Harvey Keitel, David Proval, Amy Robinson, Richard Romanus
Künstler: Kent L. Wakeford, Martin Scorsese, Mardik Martin, E. Lee Perry, Jonathan Taplin
Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Delta Music & Entert. GmbH & Co. KG
Erscheinungstermin: 31. Januar 2014
Produktionsjahr: 2002
Spieldauer: 108 Minuten

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