Caché

Eine anonym geschickte Videokassette vergiftet das erfolgreiche Leben von Georges. Ein Gespinst aus Geheimnissen und Lügen, aus Schuld und Misstrauen breitet sich aus – bis Georges sich erinnert… Ein packendes Verwirrspiel mit der Wahrheit und mit einer Vergangenheit, die keine Ruhe mehr lässt.
Eigentlich ist auf diesen Bildern nichts Kompromittierendes zu sehen: Ein Auto wird geparkt, eine Tür fällt ins Schloss. Stille. Doch gerade diese Stille macht die Filmaufnahmen so bedrohlich: Was will der Fremde, der Georges Laurents Leben und das seiner Familie mit beunruhigender Geduld dokumentiert und ihm in Form von Videobändern zukommen lässt? Noch dazu zusammen mit naiv-grotesken Zeichnungen, die den Horrorphantasien eines Kindes entsprungen zu sein scheinen?
Georges ist Moderator einer erfolgreichen Literaturtalkshow im Fernsehen, und deshalb vermutet seine Frau Anne zunächst einen verrückten Fan hinter den rätselhaften Filmaufnahmen.
Die Polizei sieht keinen Grund zu handeln, solange nichts wirklich Bedrohliches geschehen ist. Doch das Gefühl der Beklemmung wird immer stärker und bringt Georges’ und Annes bürgerlich-intellektuelles Leben zwischen Literatursendungen, Vernissagen und Abendeinladungen allmählich aus dem Gleichgewicht. Während Anne noch offen über die rätselhafte Post spricht, beginnt sich die Stille der seltsamen Videobänder auf Georges auszubreiten. Die beiliegenden Zeichnungen beunruhigen ihn und bringen etwas in ihm zum Klingen. Meist sind es Strichmännchen mit blutig roter Kehle. Auf der letzten allerdings ist ein Huhn zu sehen, mit durchschlagenem Hals…

„Ich mag die Multiplizität von Büchern, denn jedes Buch ist im Kopf des Lesers anders. Dasselbe versuche ich mit meinen Filmen zu erschaffen. Wenn 300 Menschen ihn im Kino sehen, sieht jeder einen anderen Film.“ Der gebürtige Münchener Michael Haneke, der in Österreich aufgewachsen ist und heutzutage oftmals in Frankreich dreht, hat auch mit „Caché“ wieder einen Film abgeliefert, der sich der Einordnung entzieht. Schon mit den eigentümlich gesetzten Stabsangaben und dem lang anhaltenden Shot am Anfang, der sich schließlich als Videoaufnahme erweist und den Zuschauer in doppelter Funktion zum Voyeur macht, schafft Haneke eine ganz eigene Stimmung. Der Ausnahmeregisseur, der als nächstes wohl ein US-Remake seines eigenen „Funny Games“ inszenieren soll, ist ein Visionär des Kinos, dessen Werke niemals leicht verdaulich, aber anregend sind. Fazit: Großes Autorenkino!

Am Beispiel einer Familie wird gezeigt, die die Schuld von früher sowohl einen selbst, als auch eine Nation immer wieder einholen kann. In dem Film wird beispielhaft das Massaker an den Algeriern 1961 genannt, aber die Nachrichtensendungen, welche im Hintergrund laufen, verweisen darauf, dass sich diese Geschichten immer auf Neue wiederholen. (Jedenfalls soweit meine Interpretation.)

Bereits zwei Wochen vor dem 17. Oktober war eine nächtliche Ausgangssperre für Franzosen algerischer Herkunft in der Region Paris erlassen worden. Dies war eine Reaktion auf die kurz davor begonnenen Angriffe der FLN auf Polizisten und Gendarmen in Frankreich, bei denen mehrere Beamte getötet worden waren. Zuvor waren die Kampfhandlungen auf Algerien beschränkt gewesen. Entsprechend gereizt war die Stimmung bei der Polizei und der französischen Öffentlichkeit.

Obwohl die Demonstration friedlich verlief, wenn auch unter Missachtung der Ausgangssperre, gingen Kräfte der Pariser Polizei, Gendarmerie und Bereitschaftspolizei CRS unter dem Kommando von Maurice Papon, der einen Schießbefehl erteilt hatte, brutal vor und töteten zahlreiche Demonstranten. Papon wurde 1998 wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt, die er als hoher Beamter des Vichy-Regimes begangen hatte. Wegen einer Generalamnestie für alle im Zusammenhang mit dem Algerienkrieg begangenen Verbrechen wurde er jedoch niemals für die Tötungen von Paris strafrechtlich belangt. Eine Klage wegen Verleumdung, die Papon 1998 gegen den Historiker Jean-Luc Einaudi einreichte, wurde ein Jahr später von einem Pariser Gericht zurückgewiesen.

Die Liste des Historikers Jean-Luc Einaudi verzeichnet 384 Opfer, einschließlich aller Toten, die schon zuvor in den Gewässern rund um Paris gefunden wurden; jedoch sei die Zahl vermutlich höher, weil es bis heute ungeklärte Fälle und Vermisste gebe.[3] Die Festgenommenen wurden teilweise über mehrere Tage hinweg unter freiem Himmel interniert, ca. 500 von ihnen im Anschluss nach Algerien deportiert. Noch Wochen später wurden Leichen in der Seine gefunden. Wikipedia

Caché bedeutet in dem Film dreierlei:

1.) Die versteckte Kamera, deren Videoaufzeichungen von ihrem Haus die Familie verstört.
2.) Der unbekannte Filmer.
3.) Die verborgende Schuld, welche ans Licht drängt.

Letztere ist im Falle des Familienvaters weder besonders bösartig, noch kriminell, und trotzdem hat sie ein Leben zerstört und das der darauffolgenden Generation geschädigt.

Auf einer zweiten Ebene zeigt der Film, sehr ähnlich wie *Das Leben der anderen*, wie es sich auswirkt, wenn die Beobachtung in die Privatsphäre drängt, wie eine Beziehung darüber ins Stocken geraten kann. Zusätzlich zu dem Beobachter, fängt das Misstrauen an, die Familie anzugreifen.

Fazit

Ein Film über die Macht der Schuld, die Brüchigkeit der Alltagsnormalität und die Macht der Beobachtung.

Darsteller: Juliette Binoche, Daniel Auteuil, Annie Girardot, Maurice Bénichou, Lester Makedonsky
Künstler: Lisy Christl, Emmanuel de Chauvigny, Nadine Muse, Valerio De Paolis, Michael Haneke, Christian Berger, Margaret Ménégoz, Jean-Pierre Laforce, Michael Weber, Michael Katz, Jean-Paul Mugel, Prof. Dr. Veit Heiduschka, Christoph Kanter, Michael Hudecek, Pascal Chauvin, Franck Ceven
Format: Dolby, PAL, Surround Sound
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: EuroVideo Medien GmbH
Erscheinungstermin: 7. September 2006
Produktionsjahr: 2005
Spieldauer: 115 MinutenCaché

 

 

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