Kubrick, Nixon und der Mann im Mond

„Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Schritt für die Menschheit!“ Dies ist wohl einer der berühmtesten Sätze der Welt. Doch hat ihn Neil Armstrong tatsächlich auf dem Mond ausgesprochen?

Eigentlich wollte William Karel 2001 einen Film über den ein Jahr zuvor verstorbenen Stanley Kubrick drehen. In Gesprächen mit dessen Witwe erfuhr er, dass Stanley Kubrick mit der NASA zusammengearbeitet hatte. Neben Kubrick haben auch andere Hollywood-Produzenten zum Erfolg des amerikanischen Raumfahrtprogramms beigetragen, indem sie das Unternehmen in ihren Filmen gleichsam inszenierten. Karel stellt die Frage: „Was wäre gewesen, wenn …? Was, wenn Nixon für den Fall, dass die Apollo-11-Mission gescheitert wäre und keine Bilder verfügbar gewesen wären, einen Film über die Mondlandung in Auftrag gegeben hätte?“ Er inszeniert ein dokumentarisches Spiel mit Tricks, Verwechslungen und Spaß am „hinters Licht führen“, eine Mischung aus Fakten, Fiktion und Hypothesen. Die Film- und Fernsehtechnik erlaubt es mehr und mehr, Bilder unmerklich zu manipulieren. Wie kann der Zuschauer wissen, ob es stimmt, was er sieht? Mit Archivaufnahmen, die aus dem Zusammenhang gerissen werden, mit echten Interviews, deren Kontext verändert wird, und mit nachgestellten Interviews pendelt der Film zwischen Realität und frei Erfundenem

Als ich diese Mockumentary das erste Mal auf Arte sah, dachte ich, es wäre eine echte Dokumentation. Wenn selbst Donald Rumsfeld und Henry Kissinger auftreten, dann sollte doch alles echt sein, oder? Zumal sie die Interviews, wie alle anderen Beteiligten sehr ernst geben, Buzz Aldrin und Christiane Kubrick sind schließlich auch keine Schauspieler. Als der Abspann, der dann alles aufklärt über den Bildschirm flimmerte, war ich erst einmal platt.
Und so ist die Mockumentary ein Lehrbeispiel, wie die Medien und Politiker die Öffentlichkeit hinters Licht führen. Rumsfeld wirkt durchaus seriös, wenn er erzählt, wie er mit Nixon zusammen den Plan entwickelte, mit Kubricks Hilfe die Mondlandung zu inszenieren. Es macht nachdenklich, wenn er und auch Kissinger Informationen mit aller Überzeugungskraft verbreiten, von denen sie wissen, dass sie falsch sind. Das bedeutet nichts anderes, als dass Politiker durchaus auch sonst mit äußerlicher Inbrunst Überzeugungen vertreten, vielleicht auch nichts anderes als Stuss sind. Auch wird gezeigt, wie man Bildmaterial aus dem Zusammenhang und in einen komplett anderen Kontext integrieren kann.
Fazit
Ob Kubrick nun die Mondlandung nachgedreht hat, bleibt ungeklärt, er selbst spielt mit diesem Mythos in Shining. Auf jeden Fall zeigt diese Mockumentary, wie wenig man Aussagen und auch Bildmaterial trauen kann.
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Darsteller: Stanley Kubrick, Richard Nixon, Buzz Aldrin, Loïs Aldrin, Henry Kissinger, Donald Rumsfeld
Regisseur(e): William Karel
Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 4:3 – 1.33:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
Studio: Pidax film media Ltd. (Ascot Elite)
Erscheinungstermin: 6. Oktober 2015
Produktionsjahr: 2002
Spieldauer: 55 Minuten

Kubrick, Nixon und der Mann im Mond / Die Grimme-preisgekrönte Mockumentary von William Karel (Pidax Doku-Highlights)

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