Antikörper

Mit „Antikörper“ ist Jungregisseur Christian Alvart, der nicht nur Regie geführt, sondern auch das Drehbuch verfasst hat, ein beeindruckender Beitrag zur deutschen Thriller-Geschichte gelungen. Trotz geringem Budget und nur 35 Drehtagen schafft es der Regisseur, einen mit großen Produktionen vergleichbaren Film aufs Parkett zu legen. Darsteller wie Story überzeugen durch eine erfrischende wie spannungsgeladene Informationsvergabe und Erzählweise. Zwar hat der Film zwischendurch ein paar Längen, die aus den Nebenhandlungssträngen des Polizisten Michael Martens resultieren, insgesamt aber bleibt man doch recht bei der Sache. Das sollte man auch, denn es bieten sich zum Ende hin gleich mehrere unvorhersehbare Handlungsschübe. Was den Film aber wirklich interessant macht, ist der Subtext, der so vielen Thrillern ähnlicher Art abhanden geht. Es dreht sich dabei um Grundprinzipien von Gut und Böse und wie diese sich wandeln können. Dieses Sujet macht Alvar mit seiner Geschichte auf gleichermaßen philosophische wie praktische Art und Weise fassbar. Die Grenzen zwischen dem, was wirklich krank oder böse ist, verwischen erstaunlich schnell und weil genau das, mit der Handlung verknüpft, vermittelt wird, entsteht der Eindruck, dass diese Produktion etwas beinhaltet, was über einen herkömmlichen Krimi hinaus geht. André Hennicke gibt das perfekte Bild eines Serienmörders ab, weshalb es auch nicht stört, dass die Geschichte von hinten aufgerollt wird und man von Anfang an schon weiß, dass es keine weiteren Morde geben wird. Die Action spielt sich im Kopf ab und das reicht bei weitem aus, um „Antikörper“ unbedingt weiter zu empfehlen. Fazit: Überraschende Leistung auf hohem Niveau.

Der Film erinnert an *Das Schweigen der Lämmer*: Ein gefangender Psychopath spielt Psychospielchen mit einem Polizisten, der ihn verhören soll. Die Raffinesse besteht darin, dass in Form des Sohnes des Verhörers bereits vermutlich Soziopathen-Nachwuchs heranwächst, worauf es aber nur Hinweise gibt. Erst nach dem Film beginnt man zu ahnen, wie die einzelnen, teilweise unbedeutend erscheinenden, Vorfälle zusammenhängen.

Dabei spielt der Film sehr viel mit Kontrasten, auf der einen Seite die ländliche, unschuldige und streng katholische Umgebung des Wohnortes des Polizisten, auf der anderen Berlin mit seinen Bordellen und schnellen Sexaffären.
Wie es der Häftling schafft, ein sehr böses Spiel mit dem Interviewer zu spielen und ihn fast zum Mörder werden lässt, ist sehr spannend anzusehen.

Ein wenig irritierend ist die fast vollkommene Abwesenheit von Filmmusik.

Fazit

Der Film hat mich in seinen Bann gezogen.

Darsteller: Wotan Wilke Möhring, Heinz Hoenig, André Hennicke, Norman Reedus
Regisseur(e): Christian Alvart
Komponist: Michl Britsch
Format: Dolby, PAL, Surround Sound
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: STUDIOCANAL
Erscheinungstermin: 10. März 2006
Produktionsjahr: 2005
Spieldauer: 122 Minuten

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