Wenn die Gondeln Trauer tragen

Noch springt das kleine Mädchen in ihrem knallroten Lackmäntelchen im Garten der Baxters fröhlich umher. Doch dann liegt es plötzlich leblos am Rande des Teiches — vom roten Mäntelchen zugedeckt. So findet John seine ertrunkene Tochter und so beginnt ein Alptraum aus dem die Protagonisten nie wieder aufwachen. Schon in der Anfangssequenz ist klar, dass nichts an der folgenden Geschichte eine Verkettung unglücklicher Umstände ist. Alles ist von magischer Hand vorherbestimmt und führt auf ein unausweichliches Ende hin.

Gerade die Reise nach Venedig, die den Eltern John und Laura helfen soll, den Tod der Tochter zu vergessen, entwickelt sich zu einer intensiven Ausseinandersetzung mit dem Ende des Lebens: In Venedig trifft das Ehepaar auf zwei alternde Schwestern, die allein nur deshalb dort zu sein scheinen, um die Baxters mit ihren übersinnlichen Fähigkeiten zu konfrontieren. John (Donald Sutherland als sensibler Mann am Rande des Wahnsinns genauso überzeugend wie als dekadenter Casanova von Fellini) verweigert sich deren Botschaften aus dem Jenseits vehement, obwohl er sich längst nicht mehr sicher ist, ob das Jenseits in der realen Welt nicht doch existiert. Denn ihm erscheint als habe er seine tote Tochter in ihrem knallroten Lackmäntelchen in den dunklen Gassen von Venedig gesehen.

Bis zum Schluss — und auch dann noch — lässt der Regisseur und ehemalige Kameramann Nicolas Roeg (Der Mann, der vom Himmel fiel) dem Zuschauer die Freiheit, den Alptraum ganz indivuell zu erleben. Eine Erklärung für die nicht gerade leicht zugängliche Geschichte, liefert er nicht. Zum Glück, denn sonst würde sich der Bann des perfekt inszenierten psychologischen Thrillers, in ein Logikwölkchen auflösen.

Ich habe den Film das letzte Mal vor ca. 10 Jahren gesehen und überhaupt nicht verstanden. Jetzt habe ich ihn (auf Arte) noch einmal gesehen und verstehe nicht, wie man ihn nicht verstehen kann.
Merke: Wenn etwas im einem Film wichtig ist, ist es rot. (Wer ganz genau hinsieht, sieht immer wieder rot gekleidete Personen, die das Ende vorwegnehmen.) Zudem fällt gleich ganz am Anfang der entscheidende Satz im ganzen Film: *Nichts scheint so, wie es ist.* Ob die Kirche, bei der sich herausstellt, dass man eine Fälschung restauriert, da sie eigentlich byzantinisch ist. Der Bischof, der mehr an Geld interessiert ist als an seiner Religion. Oder die Erscheinungen des ertrunkenen Mädchens, was sich als tödlicher Irrtum herausstellt. Bei den beiden blinden Schwestern bin ich mir nicht sicher, wie ich eine Szene einordnen soll, in der sie offensichtlich Laura auslachen, die sie gerade verlassen hat. Auch nicht, warum der Regisseur die Kamera noch auf den Szenen verharren lässt, wenn die Personen schon weg sind.

Heimlicher Hauptdarsteller des Films ist jedoch das morbide Venedig, welches mit seinen engen Gassen und den Putz abblätternden Häuser sehr unheimlich wirkt.

Fazit

Ein Filmrätsel, welches sich lohnt anzusehen.

Darsteller: Julie Christie, Donald Sutherland, Hilary Mason
Regisseur(e): Nicolas Roeg
Komponist: Pino Donaggio
Format: Dolby, HiFi Sound, PAL
Sprache: Deutsch (Mono), Englisch (Mono)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Region: Region 2
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: STUDIOCANAL
Erscheinungstermin: 27. März 2001
Produktionsjahr: 1974
Spieldauer: 105 Minuten

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