Cranford

Rührselige Vergangenheit trifft auf unsentimentale Moderne! So könnte man in wenigen Worten den Kern der 2007 von der britischen BBC produzierten TV-Serie beschreiben. Doch das würde viel zu kurz greifen und diesem filmischen Meisterwerk in keinster Weise gerecht. Die literarische Vorlage lieferte der gleichnamige Roman „Cranford“ (1853) und drei weitere, kleinere Novellen der britischen Autorin Elizabeth Gaskell („Wifes and Daughters“, „North and South“), einer Zeitgenossin ihrer berühmten Schriftsteller-Kollegin Jane Austen. Unter der Federführung der erfahrenen Sue Birtwistle und Susie Conklin, die schon für die erfolgreichen BBC-Produktionen „Pride and Prejudice“ oder „Wives and Daughters“ verantwortlich zeichneten, ist eine spritzige Verfilmung entstanden, voller Wärme und Menschenliebe, aber auch mit einem Hauch Tragik und Romantik versehen. Dazu ist die Story in den typischen, überschäumenden britischen Humor verpackt. Wunderschöne Einstellungen und ein toller Soundtrack tun ein Übriges, um die Serie zu einem echten Genuss werden zu lassen. Nicht umsonst war „Cranford“ fünf Mal für den britischen Fernsehpreis nominiert, den Eileen Atkins („Unterwegs nach Cold Mountain, „The Hours“) als beste Darstellerin sogar gewann. Und überhaupt besticht diese Produktion durch ihre Vielzahl herausragender Darsteller: Als da wären James Bond-Chefin Judi Dench („Casino Royale“, „Tagebuch eines Skandals“), Imelda Staunton („Harry Potter und der Orden des Phönix“) oder der Dumbledore-Darsteller aus der Harry Potter-Reihe Michael Gambon („The Good Shepherd“, „Open Range -Weites Land“), um nur einige zu nennen. Und diese schauspielerische Qualität merkt man „Cranford“ auch in jeder Sekunde an. Die tolle Story wird dadurch noch besser transportiert:

England, um das Jahr 1840. Cranford ist eine kleine, ein wenig verschlafene Stadt auf dem Lande. Hier gelten Traditionen noch etwas. Doch auch hier lässt sich die Moderne, in Form der neu gebauten Eisenbahn, nicht mehr aufhalten. Das Zeitalter der industriellen Revolution macht auch vor Cranford nicht länger halt. Das führt unweigerlich zu Irritationen innerhalb der Bevölkerung des Städtchens: Die einen begrüßen den Wandel, die anderen kommen mit den neuen Sichtweisen überhaupt nicht klar. Bisher gab in Cranford eine Clique unverheirateter Damen den gesellschaftlichen Ton an. Die Folgen des zunehmenden Einzugs der Moderne in Cranford für seine Bewohner: Liebesirrungen, Romantik und die große Frage, was sich für eine feine Dame geziemt und was nicht. Ersticken Regeln das Leben, oder sind diese für eine Zivilisation notwendig? Vollkommen mit der Ruhe vorbei ist es, als der neue, schöne Arzt Frank Harrison (Simon Woods) in die Stadt kommt. Nicht nur wegen seiner neuen, revolutionären Heilungsmethoden, sondern vor allem wegen seiner Wirkung auf das weibliche Geschlecht. Er stiftet ordentlich Verwirrung in der „Damen-Riege“ Cranfords unter der moralischen Führung von Miss Deborah Jenkyns (Eileen Atkins) und deren Schwester Matty (Judi Dench). Die arme Matty leidet immer noch darunter, dass sie einst ihrer großen Liebe Mr. Holbrook (Michael Gambon) entsagen musste. Die beiden Damen bilden den Dreh- und Angelpunkt der ursprünglich fünfteiligen Fernsehserie, die in England sensationelle Einschaltquoten erzielte. Um sie herum spinnen sich die lustigen, romantischen, versponnenen, traurigen und herzerfrischenden Geschichten, die das Leben in Cranford im Zeichen des gesellschaftlichen und sozialen Wandels so schreibt. So sind in Cranford auch die konservative Lady Ludlow (Francesca Annis), die dem Wandel nicht folgen kann und krampfhaft an den alten, verkrusteten Strukturen festhält, oder der junge Harry Gregson (Alex Eitel) zu Hause, der sich mit all seinem jugendlichen Eifer gegen die Armut seiner Familie ankämpft. Oder die junge, hübsche Pfarrerstochter Sophie Hutton (Kimberly Nixon), die die ganze Last im Hause nach dem Tod der Mutter schultern muss. Und da wären noch… Man kann gar nicht all die tollen Charaktere und ihre Geschichten aufzählen, man muss sie sich einfach anschauen! Selten war eine Fernsehserie so schön… Und: Trotz der vielen Handlungsstränge verliert der Zuschauer nie den Überblick. Ganz im Gegenteil. Es entsteht ein liebevolles Porträt einer Stadt und seiner Bewohner, wie man es bisher noch nie gesehen hat.

Die Serie scheitert wie der Roman daran, dass ein Dorf ohne Männern, in welchem fast nur Frauen sind, unglaubwürdig wirkt. Ansonsten – es ist charmant, aber letztendlich ist es auch ziemlich langweilig zuzusehen, wie das Leben im Dorf dahinplätschert. Ich hätte mir gewünscht, dass der Liebesgeschichte um den Arzt mehr Platz eingeräumt worden wäre, die hatte wenigstens ein wenig Pfeffer.

Elizabeth Gaskell Collection (North & South / Wives and Daughters / Cranford) [8 Disc Set] [Collector’s Edition]

Darsteller: Daniela Denby-Ashe, Richard Armitage, Sinead Cusack, Justin Waddell, Bill Paterson
Format: Dolby, PAL, Surround Sound, Widescreen, Collector’s Edition
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Bildseitenformat: 16:9 – 1.78:1
Anzahl Disks: 8
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: KSM GmbH
Erscheinungstermin: 14. Februar 2011
Spieldauer: 811 Minuten
ASIN: B004H3YSUE

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